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Hand- und Fingerverletzungen – häufig bei Ballsportarten

Volleyball, Handball oder Basketball – Verletzungen an Händen und Fingern sind bei Ballsportarten mit 40% fast genauso häufig wie Verletzungen an den Beinen und Füßen. Besonders oft leiden die Fingergelenke. Welche Arten von Hand- und Fingerverletzungen gibt es, wie werden Hand- und Fingerverletzungen richtig behandelt und welche Spätfolgen sind zu beachten? Informieren Sie sich hier rund um das Thema Hand- und Fingerverletzungen.

Am häufigsten werden Finger und Daumen verletzt

Fast jeder Volleyballer kennt diese Verletzung – der Ball trifft ungünstig auf die ausgestreckten Finger. Umgeknickte Finger und andere Sportverletzungen an Fingern und Händen sind bei Ballsportarten keine Seltenheit. Folgende Hand- und Fingerverletzungen treten am häufigsten auf (siehe Tabelle):
Verletzte Körperteile Häufigkeit Verletzungsarten
Finger und Daumen 60%
  • Verstauchung (Distorsion)
  • Ausrenkung (Luxation)
  • Bänderriss (Bandruptur)
  • Fraktur (Knochenbruch)
Handgelenk 30%
  • Fraktur (Knochenbruch)
  • Verstauchung (Distorsion)
Mittelhand (Radius) 10%
  • Radiusfraktur (Knochenbruch)
Sehnen an Händen/Fingern 4%
  • Sehnenriss
Handwurzel 1%
  • Kahnbeinfraktur (Knochenbruch)

Verletzungen an der Hand und am Handgelenk

Hier sind die wichtigsten Informationen zu typischen Sportverletzungen an Hand und Handgelenk zusammengestellt:
  • Handwurzel-Frakturen: Wer auf das Handgelenk fällt, erleidet häufig Knochenbrüche (Frakturen) der Mittelhand- oder Handwurzelknochen. 80% aller Handwurzel-Frakturen betreffen den größten Knochen der Handwurzel: das Kahnbein (Skaphoid). Kahnbein-Frakturen verheilen nur sehr langsam und neigen zu Komplikationen. Oftmals verheilt der Bruch nur unvollständig und es bildet sich eine sogenannte Pseudarthrose, die operativ behandelt werden muss.
  • Frakturen der Mittelhandknochen: Die Mittelhandknochen verbinden Finger und Handgelenk. Brüche des Mittelhandknochens treten häufig bei Kampfsportarten auf. Deshalb werden sie auch als Boxer-Fraktur bezeichnet. Bei einer Verschiebung des Knochens müssen die Frakturen operativ stabilisiert werden.

Weitere Verletzungen an der Hand und am Handgelenk

  • Ausrenkungen des Handgelenks (Luxationen): Die Luxation des Handgelenks kommt als Folge von Stürzen vor und ist extrem schmerzhaft. Die Einrenkung erfolgt meist nur unter Vollnarkose. Häufig ist auch eine operative Korrektur bzw. eine Stabilisierung von begleitenden Frakturen notwendig. Die Einrenkung muss schnell erfolgen, darf aber nur von erfahrenen Ärzten vorgenommen werden.
  • Sehnenverletzungen: Bei Stürzen oder Verletzungen der Hand beim Boxen oder Basketball können auch die Sehnen reißen, die Finger und Hand verbinden. Fast immer ist dann eine operative Naht der Sehnen notwendig. Zum Erhalt der Beweglichkeit ist eine sorgfältige Nachbehandlung durch Ergo- und Physiotherapie besonders wichtig.

Typisch Volleyball: Verletzungen an den Fingermittelgelenken (PIP-Gelenke)

Knochenbrüche, Ausrenkungen und Kapselverletzungen an den Fingern sind bei Ballsportarten keine Seltenheit. Die mittleren Fingergelenke (proximalen Interphalangealgelenke oder PIP-Gelenke) werden bei Volleyballspielern nach den Sprunggelenken am zweithäufigsten verletzt. Auch im Handballsport sind Fingerverletzungen häufig. Wenn die Verletzungen nicht fachgerecht behandelt werden, besteht das Risiko, dass chronische Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit bis hin zur Versteifung bleiben.

Außerdem erhöht sich das Risiko an einer Bouchard-Athrose zu erkranken. Die Fingermittelgelenke (PIP-Gelenke) sind so genannte Scharniergelenke, die sich nur in zwei Richtungen bewegen lassen.

Behandlung bei Verletzungen an den Fingermittelgelenken

Durch die Gewalteinwirkung wird das Fingergelenk verstaucht oder ausgerenkt (Luxation). Bei einer Luxation muss das Fingergelenk möglichst schnell wieder eingerenkt werden – allerdings nur durch einen erfahrenen Arzt und unter Narkose. Anschließend wird der Finger durch eine Schiene 2–3 Wochen lang ruhig gestellt. Wichtig ist auch die Nachbehandlung durch Physiotherapie, damit die Beweglichkeit wiedererlangt werden kann.

Wenn die Bänder am Daumen reißen: der Skidaumen

Eine typische Sportverletzung von Skifahrern ist die Verletzung des Seitenbands am Daumengrundgelenk. Beim Sturz bleibt der Daumen in der Schlaufe des Skistocks hängen und wird dadurch gewaltsam nach außen und hinten umgeknickt. Durch die Gewalteinwirkung reißt das Seitenband, manchmal auch zusätzlich die Gelenkkapsel. Wenn die Verletzung nicht richtig ausheilt, kann es zu Knorpelschäden und damit zur Entwicklung einer Arthrose im Daumengelenk (Rhizarthrose) kommen.

Behandlung bei Verletzung des Seitenbandes am Daumengrundgelenk

Die Behandlung richtet sich nach der Art der Verletzung. Ist das Seitenband nur teilweise gerissen, kann der Riss ohne eine operative Naht ausheilen. Dazu wird der Daumen mithilfe einer Schiene ruhiggestellt. Bei einem vollständigen Riss muss das Seitenband operativ genäht werden. Nach der Operation wird der Daumen für ca. 6 Wochen in einer Schiene ruhiggestellt. Die Erfolgsaussichten der Operation sind zeitabhängig. Eine Naht des Seitenbands ist in den ersten Wochen nach der Verletzung möglich. Ganz allmählich bilden sich dann die Bandanteile zurück. Ca. 3–6 Wochen nach dem Unfall ist eine direkte Naht aber nicht mehr möglich.

Wie kann man Fingerverletzungen beim Ballsport vermeiden?

Beim Volleyball entstehen Fingerverletzungen vor allem durch Angriffsbälle, die der Blockspieler auf die Fingerspitzen geschlagen erhält. Ganz selten kann dabei auch ein Knochen brechen; im Vordergrund stehen aber die Verstauchungen der mittleren Fingergelenke. Die Verletzungen sind schmerzhaft, die Schwellung dauert 6-8 Wochen an und bildet sich gelegentlich nicht vollständig zurück. Das Tapen der Finger dient dem Schutz von verletzten und unverletzten Fingergelenken. Es gibt Profi-Spieler, die sämtliche Finger einer Hand tapen.

Praktische Tipps zum Tapen der Finger

  • Die Breite des Tapes sollte dem Finger entsprechen und darf nicht zu dick gewählt sein.
  • Die Haut sollte möglichst fettfrei und trocken sein.
  • Tape nicht von der Rolle auf bzw. um die Finger ziehen: Hier entsteht zu viel Spannung, die Durchblutung wird eingeschränkt und es können Hautrisse entstehen.
  • Nicht zu fest um den Finger tapen, da sonst die Durchblutung eingeschränkt ist.
  • Funktionsstellung des jeweiligen Fingers beim Tapen berücksichtigen.
  • Tapen kann und soll unterstützen, ist aber in keinem Fall ein Ersatz für eine ärztliche und fachmännische Diagnose bzw. Behandlung.

Achtung vor Langzeitfolgen: bei Fingerverletzungen droht Arthrose

Etwa 10% der Bevölkerung in Deutschland sind von einer Arthrose in den Finger- oder Daumengelenken betroffen. Sportverletzungen, schlecht oder in Fehlstellung verheilte Knochenbrüche führen zur Fehlbelastung des Knorpels und damit zu einem verstärkten Abbau. Dieser kann zu Mikroschäden in der Knorpelmatrix führen, in deren Folge auch größere Schäden, wie Risse oder Abrieb, entstehen können. Bereits Mikroschäden stellen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft eine Vorstufe der Arthrose dar, denn bedingt durch den langsamen Stoffwechsel ist die Regenerationsfähigkeit des Knorpels begrenzt.
Verstauchte Fingermittelgelenke – diese Verletzung sind bei Volleyballern besonders häufig.

Spezielle Knorpelnährstoffe stärken den Knorpel

Ein Ansatzpunkt zur Unterstützung der natürlichen Regeneration des Knorpels ist eine ausgewogene Ernährung, die spezielle Nährstoffe zur Unterstützung des Knorpels enthält. Der Weg der Nährstoffe in den Knorpel funktioniert jedoch nur über die Bewegung der Gelenke. Regelmäßige Bewegung ist also ebenso wichtig, um den Knorpel über die Gelenkflüssigkeit zu ernähren.

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