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Weitere typische Sportverletzungen

Prellungen, Zerrungen oder Muskelfaserrisse – fast die Hälfte der 1,5 Millionen Sportverletzungen in Deutschland gehen auf das Konto von Schäden an Muskulatur und Sehnen. Je nach Schweregrad sind die Beschwerden unterschiedlich stark. Was sind die Anzeichen für Muskelverletzungen, wann sollte man zum Arzt gehen und wie werden Sportverletzungen an Muskulatur und Sehnen richtig behandelt? Informieren Sie sich hier über weitere typische Sportverletzungen.

Die Muskulatur ist das größte Organ des Menschen

Bei einem Sportler macht die Muskulatur 40–50% des Körpergewichts aus und ist damit das größte Organ. Unfälle und Überlastungen sind fast immer die Ursachen für Verletzungen an der Muskulatur. Muskelverletzungen gehören im Profifußball mit 30% und im American Football mit 50% zu den häufigsten Sportverletzungen. Aber nicht nur Profisportler, sondern auch viele Freizeitsportler gehen immer öfter über ihre Belastungsgrenzen hinaus und leiden dann unter Muskelproblemen. Ehrgeizige Anfänger und untrainierte Wiedereinsteiger sind besonders gefährdet. Bei einem unzureichenden Trainingszustand reagiert die Muskulatur nicht selten auf die ungewohnte Belastung mit einer Zerrung oder einem Muskelfaserriss.
Sportverletzungen sind an allen Muskeln möglich, aber Muskelverletzungen im Ober- und Unterschenkel sind am häufigsten.

Folgende Arten von Muskelverletzungen werden unterschieden:

  • Prellung (Kontusion): Durch eine stumpfe Gewalteinwirkungen (Tritt oder Sturz) entstehen am Muskel Quetschungen und kleinere Faserrisse
    • Symptome: Bluterguss, Hämatom (blauer Fleck)
  • Muskelzerrung (Distension): Durch einen Sturz oder durch falsche, ruckartige Bewegungen werden Muskeln überlastet und gezerrt.
    • Symptome: Muskelschmerzen bei Belastung und Druck. Stärkere Beschwerden können auf einen Muskelfaserriss hindeuten und müssen durch einen Arzt abgeklärt werden.
  • Muskelfaserriss: Größere Anteile der Muskulatur bis hin zu ganzen Muskelfaserbündeln reißen und werden dabei zerstört.
    • Symptome: Zunächst plötzliche stichartige Schmerzen. Anschließend schwillt die Region rund um den Muskelfaserriss schnell an und es bildet sich ein Bluterguss. In der Muskulatur sind Dellen sichtbar.

Wie werden Muskelverletzungen richtig behandelt?

Bei Prellungen und Muskelzerrungen reicht es in der Regel aus, die Muskulatur zu schonen. Kühlung und Sportsalben aus der Apotheke helfen gegen Schmerzen und Schwellungen. Typische Stellen für Zerrungen sind die Innen- und Hinterseiten des Oberschenkels sowie die Waden. Die Heilung einer Zerrung verläuft nicht von heute auf morgen. Der Muskel muss einige Tage geschont und darf nur schmerzfrei bewegt werden. Nach einigen Tagen kann der Muskel leicht gedehnt werden. Wenn die Schmerzen nachlassen, kann das Training langsam und vorsichtig wieder aufgenommen werden. Die Faustregel für die Sportpause bei einer Zerrung sind 8 bis 14 Tage. Manchmal dauert die Heilung aber auch 3 Wochen.

Die Erstversorgung von Muskelverletzungen erfolgt nach der PECH-Regel:



P

Pause

P

Pause

Tätigkeit beenden, Gelenk ruhig stellen und nicht belasten.

E

Eis

E

Eis

Schmerzende Gelenke kühlen, um Blutungen und Schwellungen zu reduzieren (Erfrierungen vermeiden: Eis und Tiefkühlpads nicht direkt auf die Haut legen).

C

Compression

C

Compression

Druckverband anlegen, um Schwellungen zu reduzieren und Einblutungen zu verhindern.

H

Hochlagern

H

Hochlagern

Das verletzte Körperteil hochlagern, um den Blutzufluss und das Risiko von Einblutungen zu verringern.

Bei einem Muskelfaserriss ist eine längere Pause von mindestens 3 Wochen einzuhalten

Bei einem Muskelfaserriss hängt die Behandlung vom Ausmaß der Schädigung ab. Das typische Kennzeichen beim Muskelfaserriss ist der plötzlich einsetzende, peitschenartige Schmerz. Der Betroffene nimmt in der Regel sofort eine Schonhaltung ein und der Muskel ist nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr belastbar. Spürbar wird der Muskelfaserriss durch eine tastbare Delle, die sich in der verletzten Region im Muskel bildet.

Nach dem Schweregrad wird der Muskelfaserriss in vier Stufen eingeteilt:

  • Grad 1: Einzelne Muskelfasern eines Bündels sind gerissen (<5% der Muskelfasern).
  • Grad 2: Mehrere Muskelfasern eines Bündels sind gerissen (>5 % der Muskelfasern).
  • Grad 3: Zahlreiche Muskelfasern eines Bündels sind mit starker Einblutung gerissen (>5 % der Muskelfasern).
  • Grad 4: Kompletter Muskelfaserriss mit Funktionsverlust und starker Einblutung.

Behandlung eines Muskelfaserrisses

Leichtere Muskelfaserrisse (Grad 1–3) werden konservativ behandelt, d. h., es wird ein Druckverband angelegt und der Muskel geschont. Falls ein ausgeprägter Bluterguss vorliegt, muss dieser ggf. durch eine Punktion entfernt werden. Frühestens ab dem 6. Tag kann mit leichten belastungsfreien Übungen begonnen werden, und nach 3 Wochen kann ein angepasstes Training erfolgen.

Ein Muskelfaserriss Grad 4 muss operativ versorgt werden. Dabei wird der gerissene Muskel fixiert bzw. genäht. Die Operation sollte innerhalb von 2 Wochen nach dem Sportunfall stattfinden. Nach dem chirurgischen Eingriff wird der Muskel etwa 7 Tage lang ruhiggestellt und entlastet. Die anschließende Rehabilitation richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung. Das normale Training kann in der Regel erst ab der 5. Woche nach einer gravierenden Muskelverletzung beginnen.

Wann muss man mit einer Muskelverletzung zum Arzt?

Leichte Muskelverletzungen, wie Muskelkater, Prellungen und Muskelzerrungen können durch Schonung und Sportsalben aus der Apotheke gut selbst auskuriert werden. Mit dem Sport darf aber erst wieder begonnen werden, wenn Schmerzen und Schwellungen vollständig verschwunden sind. Bei stärkeren Einblutungen oder einem Verdacht auf Muskelfaser- oder Sehnenriss sollte man den Arzt aufsuchen. Der Arzt kontrolliert, ob weitere Schäden an Gelenken, Sehnen, Bändern oder Knochen vorliegen.

Bei diesen Beschwerden sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen:

  • Größere Blutergüsse, Hämatome
  • Einschränkungen der Beweglichkeit
  • Starke Schmerzen oder plötzlich einsetzende starke Schmerzen
  • Starke Schwellungen
  • Nicht nachlassende Beschwerden

Wie lassen sich Muskelfaser- oder Sehnenrisse vermeiden?

Die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen sind ein korrektes Aufwärmen vor dem Sport und ein Nachbereiten der sportlichen Belastung sowie ein gezieltes, auf den Sportler individuell abgestimmtes Muskeltraining. Oft entsteht eine Zerrung, weil die Sportler nicht richtig aufgewärmt sind. Der Muskel muss erst warm laufen, fast wie ein Automotor. Dabei helfen Gymnastik- und Dehnübungen.

Bei kalten Witterungsbedingungen gilt besondere Vorsicht, weil dann die Muskeln verletzungsanfälliger sind. Überanstrengung und Ermüdung sind weitere mögliche Ursachen: Bewegt man sich nach längerer Belastung ruckartig, kann das den Muskel überfordern und eine Zerrung hervorrufen.

Pflicht vor jedem Training und jedem Spiel – mit dem richtigen Aufwärmprogramm können Muskelverletzungen vermieden werden.

Aufwärmprogramm der FIFA senkt Sportverletzungen

Ein spezielles Training, das nachweislich die Anzahl von Sportverletzungen senkt, ist das Aufwärmprogramm der FIFA: 11+. Dieses Aufwärmprogramm umfasst drei Teile mit insgesamt 15 Übungen, die in der angegebenen Reihenfolge ausgeführt werden sollten. Am einfachsten wird 11+ regelmäßig zu Beginn jedes Trainings durchgeführt und die Teile 1 und 3 auch zum Aufwärmen vor einem Spiel. Mehr Informationen und genaue Anleitungen der einzelnen Übungen finden Sie hier: Aufwärmprogramm 11+